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Spotlight: Philip Stadtmann

Du hast im August am Radmarathon „Paris-Brest-Paris“ teilgenommen. Was ist PBP genau?
PBP ist das älteste Radrennen der Welt und es ist genau das drin, was draufsteht. 6.000 Fahrer starten in Paris, fahren nach Brest im äußersten Westen Frankreichs, drehen dort um und fahren non-stop zurück nach Paris. Alle 100 km kommt eine Verpflegungsstelle. Ansonsten ist man auf der ausgeschilderten Strecke auf sich selbst gestellt. Und mal zum Vergleich: die Distanz entspricht ziemlich genau der Strecke Köln-Berlin-Köln. PBP ist allerdings mit ca. 12.000 Höhenmetern deutlich hügeliger.


Also 1.200km in weniger als 4 Tagen: Wie kommt man auf so eine Idee?

Ich bin schon immer gerne Rad gefahren, auch längere Strecken jenseits der hundert Kilometer. 2003 habe ich dann Berichte um den damaligen PBP gelesen. Das hat mich sofort fasziniert: eine Veranstaltung mit über 100 Jahren Tradition. Mehrere tausend Starter aus der ganzen Welt und in allen Alters- und Leistungsklassen. Eine umfangreiche Qualifikation im Vorfeld. Eine Distanz, die meine persönliche Vorstellungskraft im Grunde übersteigt. Und dann die Franzosen, die Tag und Nacht an der Strecke stehen und die Fahrer anfeuern und versorgen. Eine riesige Herausforderung also mit einem phantastischen Flair. Da wollte ich unbedingt dabei sein. Sehr gut eingefangen ist die Stimmung übrigens hier: https://strava.exposure.co/parisbrestparis.


Verrätst du uns deine Zeit?
Auf die Zeit kommt es bei PBP gar nicht primär an. Das Ziel ist es eigentlich nur, das Zeitlimit zu schaffen, das ja nach Wahl bei 80, 84 oder 90 Stunden liegt. Jeder der ins Ziel kommt, ist also ein Gewinner. Anders als bei Olympia geht es nicht nur um die Teilnahme sondern tatsächlich ums Ankommen – egal in welchem Zustand. Entsprechend fährt man auch nicht gegeneinander, sondern eher miteinander.
Letztendlich bin ich in 72,5 Stunden durchgekommen. Schneller als gedacht – wir hatten tolle Bedingungen. Der schnellste Fahrer dieses Jahr war übrigens nach knapp über 42 Stunden wieder im Ziel. Chapeau!


Dein bestes Erlebnis während des Rennens?

Ganz klar die Einfahrt am dritten Tag bei Kilometer 1.000 in den Kontrollort Villaines-la-Juhel. Da standen hunderte Menschen auf der Straße und haben jeden einzelnen Fahrer  gefeiert wie bei der Tour de France. Man kommt um die Ecke und ist auf einmal mitten in einem Volksfest. Das war absolut unvergesslich.
Und zu Hause wartete eine super Willkommensfeier mit Familie und Nachbarn. Da hab ich erst mal so richtig gemerkt, wie auch zu Hause mitgefiebert wurde.


Und in welcher Situation musstest du richtig die Zähne zusammenbeißen?
Zum Glück war es zu keinem Moment so richtig fies. Ich habe es die ganze Zeit über geschafft, die Stimmung oben zu halten und jeden Meter der Fahrt zu genießen. Nachts war es lausig kalt in der Bretagne, die Hügel waren manchmal zäh und am Ende der linke Knöchel geschwollen wie ein Elefantenfuß. Aber das gehörte einfach alles dazu und da Müdigkeit und Hunger ausblieben, war es alles gut zu ertragen.


Dein Gefühl, ins Ziel einzufahren?
Schon dankbar für das Ende, da es zwischenzeitlich auch angefangen hatte zu regnen. Mega euphorisch war ich aber nicht. Dafür war ich viel zu überwältigt von den letzten drei Tagen.


Nach dem Ziel ist vor dem Ziel: Deine nächste Challenge?
PBP findet nur alle vier Jahre statt. Insofern konzentriere ich mich jetzt erst mal drauf, die doch erheblichen Verschleißerscheinungen zu kurieren. Im nächsten Frühjahr stehen dann vermutlich erst mal wieder die „kürzeren“ Distanzen zwischen 200 und 600 km auf dem Programm.

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